Bitte um Begnadigung


Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Mein Name ist Mialitu Weidenwald. Ich bin die Ehegattin von Ben Weidenwald der vor vier-einhalb Jahren in Bree wegen Brandstiftung verurteilt wurde.
Wir wohnen etwas außerhalb von Bree, dort wo Armut zum Leben dazu gehört. Einige Männer wissen vor Verzweiflung und Hunger keinen Ausweg mehr und erliegen der Versuchung sich den Räuberbanden rund um Bree anzuschließen.

Mein Mann und ich hatten eine kleine Hütte gepachtet mit einem Gemüsegarten und einem kleinen Feld. Es reichte zum Leben. Ich war damals im sechsten Monat schwanger als das Verhängnis über uns einbrach. Mein Mann war gegen Abend zu einem Nachbarn gegangen um dessen Geburtstag zu feiern als Wächter die Feier stürmten und alle Anwesenden verhafteten. Ein Hof war angezündet worden und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Verletzt oder getötet wurde niemand. Der Nachbar bei dem die Feier stattfand, war als einer der Täter erkannt worden. Alle Anwesenden der Feier wurden verurteilt, auch mein Mann. Bis heute zu schwört er seine Unschuld an dem Verbrechen. Ich glaube ihm. Doch das Gericht war anderer Meinung.

Das ist vier-einhalb Jahre her und unsere Situation ist verzweifelter denn je. Mein Mann ist immer noch in Haft. Tag für Tag, bei Wind und Wetter, wird er an einem Balken vor dem Gefängnis von Bree angekettet. Die Frau, der der abgebrannte Hof gehörte schlägt und beschimpft ihn unentwegt, jeden Tag, jede wache Minute. Mein Ben hat mehrere Rippenbrüche erlitten. Seit zwei Jahren hat er Schmerzen bei jedem Atemzug. Seine Beine schmerzen vom ewigen stehen. Seine Arme werden so unnatürlich auf dem Rücken gefesselt das seine Schultern und sein Rücken wie versteinert sind. Erst wurden seine Arme taub. Seit kurzem spürt er sie nicht mehr.
Die alte Terese, eine Bardin aus meiner Nachbarschaft, sagt, das er nicht mehr lange durchhalten wird. Es wird schon bald zu spät sein.

Geehrter Herr Bürgermeister, was sie meinem Mann auch vorwerfen, durch nichts hat er diese schreckliche Folter verdient. Was ihm auch vorgehalten wird, er muss es schon lange verbüßt haben.

Auch meine eigene Situation ist verzweifelt. In meinem Zustand konnte ich Feld und Garten nicht alleine bestellen. Meine Schwester kam um mir zu helfen. Auch nachdem mein Junge geboren wurde. Er hat seinen Vater noch nie gesehen. Ich kann dem Kind doch nicht den schrecklichen Anblick vor dem Gefängnis zumuten! Nachts, wenn die schlagende Frau schläft, dann schleiche ich mich manchmal zu meinem Mann. Ich kann so wenig für ihn tun!
Nun hat meine Schwester geheiratet und zieht fort. Alleine schaffe ich es nicht. Mein Junge ist noch zu klein um auf dem Feld helfen zu können. Auch kann ich ihn nachts nicht alleine lassen um meinem Mann beizustehen. Die alte Terese sagt, wenn mein Ben jetzt frei käme, dann wäre es möglich ihn bis zur Saatzeit im Frühjahr gesund zu pflegen. Für eine warme Mahlzeit würde sie mir helfen. Noch könnte alles gut werden für mich und meine kleine Familie.

Deshalb nehme ich nun all meinen Mut zusammen und schreibe Euch.
Ich bitte um eine Begnadigung für meinen Mann.
Ich weiß, das er sich nichts sehnlicher wünscht als ein friedliches bescheidenes Leben mit mir und dem Jungen in unserer Hütte. Ich bin bereit mit meinem Leben dafür zu bürgen.
All meine Hoffnung lege ich in Eure Hände. Bitte, Herr Bürgermeister, helft uns.

Hoffnungsvoll
Mia Weidenwald


Heimliches Treffen zwischen Mia und Ben: http://s14.directupload.net/images/111229/de5pusit.jpg